Gefährdung europäischer Haie
Hai-Fischerei in Europa

Die Europäische Union (EU) ist mit einigen Mitgliedstaaten ein Hauptlieferant der in Asien begehrten Haiflossensuppe. Aber auch das Fleisch der Haie wird besonders hier in Europa gern verzehrt und treibt die hiesigen Fischereien an. Laut einer Studie (Clarke et al. 2003) werden pro Jahr zwischen 26 und 73 Millionen Haie weltweit gehandelt (wahrscheinlichster Mittelwert liegt bei 38 Millionen).
Finning
Finning bezeichnet die Verarbeitungsweise, bei der Haien beim Fang die Flossen abgeschnitten und die Körper wieder ins Meer geworfen werden. Haiflossen sind wegen der ernormen Nachfrage wesentlich wertvoller als das Haifleisch. An Bord des Schiffs wird damit Stauraum gespart, was die Gewinnspanne erhöht.
Finning ist in der EU verboten. Großzügig ausgelegte Prozentanteile des Flosse
ngewichts zum Körpergewicht des Hais, als Regulierungsmaßnahme in der mit Sondergenehmigungen erlaubten Haifischerei, bieten jedoch Spielraum, Finning doch anzuwenden und den Ertrag zu steigern.
Diese Gesetzeslücken müssen daher geschlossen werden sowie Maßnahmen zu einem umfassenden Haifischerei-Management für alle kommerziell befischten Haiarten ergriffen werden.
Einige Arten wie der Weiße Hai, Riesenhai und Engelhai stehen unter Schutz. Dorn- und Heringshai sowie mehrere Tiefseehaiarten sind vom Fang zurzeit ausgeschlossen. Für Mako- und Blauhaie jedoch, die annährend 90% der Haifänge in Europa ausmachen, bestehen keine Fangeinschränkungen.
Konsumland Deutschland
Deutschland ist zwar keine ausgeprägte Fischereination, es gibt hier jedoch einen recht großen Konsumentenmarkt für Haifleisch. Daneben existiert ein Markt für Produkte mit versteckten Hai-Anteilen, beispielsweise in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie, bis hin zum Hundefutter.
In Deutschland ist die “Schillerlocke” eine alltägliche Spezialität - wussten Sie, dass diese aus den Bauchlappen des bei uns bereits stark gefährdeten Dornhais (Squalus acanthias) bestehen? Den Rückenstücken des Dornhais begegnen Sie in Deutschland unter der Bezeichnung “Seeaal”.
Früher stammten die hier geräucherten Schillerlocken aus der Nordsee, heute werden sie hauptsächlich aus Nordamerika importiert. Europäische Fänge aus dem Nordostatlantik sind gegenwärtig aufgrund der starken Überfischung geschlossen (seit Januar 2011). In den 60er und 70er Jahren landete eine gezielte Fischerei auf Dornhaie über 50.000 t pro Jahr an. In den letzten Jahren sind die angelandeten Fänge auf weniger als 5.000 t pro Jahr gesunken (Rückgang um 90%), die tatsächlichen Fänge lagen dabei noch unter der erlaubten Fangobergrenze, die viel zu hoch angesetzt war und nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprach.
Deutschland importiert mehr als 2.000 t Haifleisch jährlich, davon pro Jahr annähernd 730 t Dornhai, womit wir damit in der EU zu den fünf größten Importeuren zählen. In den letzten 10 Jahren (Stand 2005) war Deutschland der größte Einzelimporteur von Dornhai aus Nordamerika.
Der Dornhai ist gegenwärtig auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) weltweit als gefährdet eingestuft, der Bestand im Nordostatlantik als kritisch gefährdet - die höchste Gefährdungsstufe der Roten Liste.
Hai-Steaks als Mittagstisch
Hai-Steaks sind in Deutschland durchaus nachgefragt und werden sogar in Kantinen angeboten. Hai-Steaks stammen in Deutschland meist vom heimischen Heringshai (Lamna nasus), einem kleinen Verwandten des Weißen Hais, oder vom Blau- oder Makohai (Prionace glauca und Isurus oxyrinchus).
Der Heringshai ist gegenwärtig auf der Roten Liste der bedrohten Arten weltweit als gefährdet eingestuft. Auch bei dieser Art ist der Bestand im Nordostatlantik sogar als kritisch gefährdet gelistet und der Fang verboten.
Worin Haie und Rochen uns biologisch ähnlich sind
Warum wirkt sich gerade die Fischerei auf Haie dramatischer auf ihre Bestandszahlen aus? In ihrer Biologie gleichen Haie und die nahe verwandten Rochen großen Säugetieren. Entsprechend werden sie sehr alt und wachsen nur langsam. Daher erreichen sie erst spät die Geschlechtsreife (beim Dornhai erst mit 12-14 Jahren) und haben nur wenige Nachkommen, die häufig lebend zur Welt gebracht werden.
Knochenfische dagegen geben teilweise Millionen Eier ins Meer ab, wovon eine größere Anzahl überlebt, schnell wächst und meist nach 1-2 Jahren sich wieder fortpflanzt. Im Vergleich dazu werden daher Bestände von Haien und Rochen wesentlich schneller überfischt.
Ein Fischerei-Management für Haie und Rochen in Europa
Bereits seit 1999 wird durch die Welternährungsorganisation (FAO) dazu aufgerufen, weltweit Bestandsbewirtschaftungen befischter und Schutz für gefährdete Haiarten (sowie Rochen und ggf. Chimärenarten, d.h. alle Knorpelfische) durch einen so genannten Aktionsplan zum Schutz der Haie einzurichten. In der Europäischen Union ist jedoch erst im April 2009 ein solcher Aktionsplan von den Mitgliedstaaten verabschiedet worden.
Derzeit kann - mit einigen Ausnahmen - in EU-Gewässern und durch EU-Fischereifahrzeuge aber nach wie vor unbegrenzt auf viele Hai- und Rochenarten gefischt werden. Gerade die am stärksten befischten Arten, Blau- und Makohai, die annähernd 90% der europäischen Fänge ausmachen, haben keine Fangbegrenzungen.
Der neue Haiaktionsplan bildet lediglich ein Gefäß in das Hai-Managementmaßnahmen und Schutz für gefährdete Arten eingefüllt werden müssen. Darunter sind die Einhaltung wissenschaftlicher Empfehlungen für Fanghöchstgrenzen und Verbesserungen der Finning-Verordnung die ersten dringenden Schritte. Der Haiaktionsplan selbst stellt kein bindendes Gesetz dar, dennoch wurden die darin enthaltenen Maßnahmen einstimmig von allen EU-Ländern begrüßt - nun gilt es diese Versprechen einzulösen.
Auf vielen Ebenen nimmt Europa bereits eine Vorbildrolle ein, sodass eine wissenschaftlich fundierte und dem Vorsorgeprinzip geltende Bestandsbewirtschaftung einen weltweiten Einfluss hat, zumal die Fischereiflotten mancher EU-Länder weltweit agieren. Die Arbeit der Shark Alliance zur Verbesserung der Situation in Europa, bedeutet somit gleichzeitig weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Hai-Bestände auch in anderen Teilen der Welt zu erlangen.
Informieren Sie sich weiter im Internetauftritt der Shark Alliance: www.sharkalliance.org
Laden Sie sich weitere Informationen herunter
- Haie in der Ostsee (Zusammenfassung)
- haie-in-der-ostsee pdf | 230 kb
- Durchsetzung von Finning-Verboten
- durchsetzung-von-finning-verboten pdf | 227 kb
- Gesetzeslücken beim Hai-Finning schließen
- gesetzesluecken-schliessen pdf | 1,42 Mb
- Haiflossen in Europa (Kurzfassung der Expertenstudie)
- haiflossen-in-europa pdf | 283 kb
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