Gefährdung europäischer Hai-Arten
Hai-Fischerei in Europa

Europa ist mit einigen EU-Mitgliedstaaten ein Hauptlieferant der in Asien begehrten Haiflossensuppe, für die allein pro Jahr weltweit bis zu 73 Millionen Haie gefangen werden.
Finning
Finning nennt sich die Verarbeitungsweise, bei der Haien die Flossen an Bord abgeschnitten und die meist noch lebenden Tiere wieder über Bord geworfen werden. Haiflossen sind wegen der ernormen Nachfrage wesentlich wertvoller als das Haifleisch. An Bord des Schiffs wird damit Stauraum gespart, was die Gewinnspanne erhöht.
Finning ist in der Europäischen Union verboten. Großzügig ausgelegte Prozentanteile des Flossengewichts zum Körpergewicht des Hais, als Regulierungsmaßnahme in der mit Sondergenehmigungen erlaubten Haifischerei, bieten jedoch Spielraum, Finning doch anzuwenden und den Ertrag zu steigern.
Diese Gesetzeslücken müssen daher geschlossen werden und Maßnahmen zu einem Hai-Fischerei Management ergriffen werden. Zurzeit kann auf Haie unbegrenzt gefischt werden und es muss sich lediglich nach der Finning-Verordnung gerichtet werden.
Konsumland Deutschland

Deutschland ist zwar keine ausgeprägte Fischereination, es gibt hier jedoch einen großen Konsumentenmarkt für Haifleisch. Daneben gibt es einen ausgeprägten Markt für Produkte mit versteckten Hai-Anteilen, beispielsweise in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie, bis hin zum Hundefutter.
In Deutschland ist die “Schillerlocke” eine alltägliche Spezialität - wussten Sie, dass diese “Schillerlocken” aus den Bauchlappen des bei uns bereits stark gefährdeten Dornhais (Squalus acanthias) bestehen? Den grätenfreien Rückenstücken des Dornhais begegnen Sie in Deutschland unter der Bezeichnung “Seeaal”.
Früher stammten die hier geräucherten Schillerlocken aus der Nordsee, heute werden sie hauptsächlich aus Nordamerika importiert. Europäische Fänge aus dem Nordost-Atlantik sind gegenwärtig weitgehend Beifang. In den 60er und 70er Jahren landete eine gezielte Fischerei auf Dornhaie über 50.000 t pro Jahr an. Heute sind die angelandeten Fänge auf weniger als 5.000 t pro Jahr gesunken (Rückgang um 90%), die tatsächlichen Fänge liegen noch unter der erlaubten Obergrenze.
Deutschland importiert mehr als 2.000 t Haifleisch jährlich, davon pro Jahr annähernd 730 t Dornhai. Deutschland gehört damit in der EU zu den fünf größten Importeuren. Hinzu kommen die Beifänge der eigenen Fischereiflotte, die aber wesentlich geringer ausfallen. Deutschland ist in den letzten 10 Jahren der größte Einzelimporteur von Dornhai aus Nordamerika.
Der Dornhai ist gegenwärtig auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft.
Hai-Steaks als Mittagstisch

Hai-Steaks sind in Deutschland stark nachgefragt und werden sogar in Kantinen angeboten. Hai-Steaks stammen in Deutschland meist vom heimischen Heringshai (Lamna nasus), einem kleinen Verwandten des Weißen Hais.
Der Heringshai ist gegenwärtig auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft.
Worin Haie und Rochen uns biologisch ähnlich sind
Warum wirkt sich gerade die Fischerei auf Haie dramatischer auf ihre Bestandszahlen aus? In ihrer Biologie gleichen Haie und Rochen großen Säugetieren. Entsprechend werden sie sehr alt und wachsen nur langsam. Daher erreichen Haie und Rochen erst spät die Geschlechtsreife (beim Dornhai erst mit 20 Jahren) und haben nur wenige Nachkommen, die häufig lebend zur Welt gebracht werden.
Knochenfische dagegen geben Millionen Eier ins Meer ab, wovon eine größere Anzahl überlebt und schnell wächst. Im Vergleich dazu sind Haie und Rochen wesentlich schneller überfischt.
Ein Fischerei-Management für Haie und Rochen in Europa
Bereits seit 1999 wird durch die Welternährungsorganisation (FAO) dazu aufgerufen, weltweit Bestandsbewirtschaftungen einzurichten - in Europa sind davon jedoch erst seit April 2009 Maßnahmen umgesetzt worden.
Derzeit kann - mit wenigen Ausnahmen - in EU-Gewässern und durch EU-Fischereifahrzeuge aber nach wie vor unbegrenzt auf Haie gefischt werden. Der neue Haiaktionsplan bildet ein Gefäß in das Hai-Managementmaßnahmen und Schutz für gefährdete Arten eingefüllt werden müssen. Darunter sind die Einhaltung wissenschaftlicher Empfehlungen für Fanghöchstgrenzen und Verbesserungen der Finning-Verordnung die ersten dringenden Schritte.
Auf vielen Ebenen nimmt Europa bereits eine Vorbildrolle ein, sodass eine wissenschaftlich fundierte und dem Vorsorgeprinzip geltende Bestandsbewirtschaftung einen weltweiten Einfluss hat. Die Arbeit der Shark Alliance zur Verbesserung der Situation Europa bedeutet somit gleichzeitig weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Hai-Bestände auch in anderen Teilen der Welt zu erlangen.
Informieren Sie sich weiter im Internetauftritt der Shark Alliance: www.sharkalliance.org
Laden Sie sich weitere Informationen herunter
- Hai-Alarm! Europas Rolle bei der Ausrottung der Haie (Zusammenfassung)
- fs-dt-hai-alarm-okt06.pdfpdf | 251 kb
- Zahlen und Fakten: Haifische sind bedroht
- fs-zahlen-und-fakten-okt06.pdfpdf | 218 kb
- Haie schützen: nachhaltiges Fischereimanagement und Durchsetzung des Finning-Verbots
- haie-schutzen.pdfpdf | 195 kb
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